Walsertreffen 2016

Arosa im Sommer – Facettenreich und verträumt

Prächtige Berglandschaft

Eingerahmt von einer imposanten Berglandschaft auf 1800 m ü. M. – so präsentiert sich der Alpenpark Arosa seinen Besuchern. Tauchen Sie ein in die herrliche Bergwelt von Arosa und erleben Sie die Natur von ihrer schönsten Seite – saftig grüne Wiesen, rauschende Bergbäche und kristallklare Bergseen prägen die Natur in der Ferienregion Arosa.

Die Hauptrolle spielen natürlich die Berge, welche schwarz schimmern, sich gross und stolz, schön und mystisch präsentieren. Wanderer bahnen sich ihre Wege über 380 Kilometer Spazier-, Wander- und Bergwanderwege. Der Arosa-Genuss mit speziellen Themenwegen, langen oder kurzen Wanderungen durch malerische Wälder, zu tiefblauen Bergseen, farbenfrohen Blumenwiesen, durch historische Walserdörfchen, auf 3000 Meter hohe Berggipfel und vorbei an unzähligen Naturschätzen, ist kaum zu übertreffen. Dabei laden Ruhebänke mit Inschriften von Stammgästen zum Verweilen und Betrachten des unendlich erscheinenden Berghorizontes ein.

Die Walser in Arosa und im Schanfigg

Das Tal der Plessur erstreckt sich vom Talbecken Arosa und dem Strelapass im Sapün, einem Seitental von Langwies, bis an die Stadtgrenze von Chur. Besiedlung, wirtschaftliche Nutzung und politische Zugehörigkeit waren in diesem Tal, das sich nur über etwa 30 Km erstreckt, nie einheitlich. Die ältesten bisher bekannten Siedlungsplätze auf der rechten Talseite bei Castiel und Maladers gehen bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. und in die Römerzeit zurück. Im Mittelalter wurde das Schanfigg landwirtschaftlich erschlossen. Es bildeten sich vorerst von Maladers bis Peist die heute noch bestehenden Dörfer, und auf der linken Seite der Plessur entstand die Siedlung Tschiertschen. Die Sprache der damaligen Talbevölkerung war Rätoromanisch, was in diesen älteren Siedlungen heute noch durch einen beträchtlichen Anteil an romanischen Flurnamen (bis zu 40% je nach Lage) belegt wird. 

Die Bewohner waren weitgehend Selbstversorger und lebten von Milchwirtschaft (bis ins späte Mittelalter vor allem Kleinvieh) und vom Ackerbau. Nur alpwirtschaftlich oder durch wenige Bauerhöfe genutzt waren bis rund 1300 die hohen Lagen von Arosa und Langwies. Dorthin, auf 1400-1900 m ü. M. siedelten die Grundherren – die Korporationen am bischöflich Hof in Chur und die Freiherren von Vaz – in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts Walser Rodungsbauern an, das heisst Leute aus dem Wallis oder aus bereits besiedelten Walserkolonien: vor allem aus dem benachbarten Davos. Doch scheinen auch Siedler aus dem Bregenzer Wald nach Langwies gekommen zu sein. Eine Ausnahme betreffend Höhenlage ist das kleine Dorf Praden, unweit von Chur auf 1100-1200 m gelegen. Dort erhielten im Jahr 1300 Walliser Leute unter den beiden Anführern Röttiner und Aier zwei Güter als Erblehen gemäss dem Kolonistenrecht von Davos zugewiesen. Dies ist das älteste Dokument im Tal, das die Walseransiedlung betrifft. Die Prader waren nun freie Zinsbauern des Klosters St. Luzi in Chur. Von Praden gelangten auch die Güter auf Runcalier und möglicherweise auch andere Höfe bei Churwalden in Walser Hand. In Langwies sind zahlreiche altertümliche Holzhäuser als prägende Landschaftselemente erhalten geblieben, die ältesten Teile einiger Bauten der einstigen Temporärsiedlungen (bäuerliche Transhumanz) dürften bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen. Die Walser in Langwies bildeten mit der Exklave Praden seit dem 14. Jahrhundert ein eigenes Gericht, vermutlich, weil Leute aus Langwies bereits im 14. Jahrhundert auf die fruchtbare Terrasse von Praden zogen, die Acker- und Obstbau ermöglichte. Arosa gehörte als Aussensiedlung bis 1851 zur Gerichtsgemeinde Davos. Das Gericht St. Peter umfasste das gleichnamige Dorf sowie Maladers, Calfreisen, Castiel, Lüen, Molinis und Peist. Tschiertschen hingegen gehörte bis in die jüngste Gegenwart zum Gericht Churwalden. 

Wie andernorts in Walsergebieten bildeten die Viehzucht und der Viehverkauf die Lebensgrundlage der Walser im Schanfigg. Die wenigen Bewohner von Arosa konnten im 15. und 16. Jahrhundert umfangreiche Alpweiden an die Städte Chur und Maienfeld verkaufen, denn noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, an der Schwelle zum Tourismusboom, zählte Arosa bloss rund 50 Einwohner.

Die Walser Neusiedler assimilierten sich nicht an die romanische Sprache der Talbewohner, im Gegenteil: Von den Walserdörfern aus erfolgte im 15. und 16. Jahrhundert der Sprachwechsel im ganzen Tal; die ehemaligen Romanen übernahmen das Walserdeutsch des inneren Schanfigg, das zur alten Davoser Mundart gehört. Es entwickelten sich indessen auch lokale Varietäten im Tal, die zum Teil noch altromanische Lautungen enthielten. Heute vollzieht sich mit der hohen Mobilität wieder ein Sprachwechsel: Die Mundart des Churer Rheintals (das mit dem Bodenseeraum und Süddeutschland lautlich verwandte Nordalemannisch) bestimmt zunehmend das Sprachverhalten der jungen Generation, während die älteren Leute im Tal noch die Walsermundart pflegen. Das Walserdeutsch erlebt heute das einstige Schicksal der Rätoromanen nach der Mitte de 16. Jahrhunderts, als der humanistische Gelehrte Ulrich Campell schrieb: «Nun ist die romanische Sprache ... fast gänzlich ausgestorben und aus der Mode gekommen...». Noch erklingen beide Mundarten, das westalemannische Walserdeutsch und das Rheintaldeutsch in den Dörfern, während in Arosa schon seit den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts der rheintaldeutsch gefärbte Aroser Dialekt die Umgangssprache ist. 

Als historisches Erbe der Walsersiedler bietet das innere Schanfigg mit den Seitentälern Sapün und Fondei einmalige, von den frühen Rodungsbauern geprägte Kulturlandschaften, die zu den eindrücklichsten in den einstigen Walserkolonien gehören. Es bleibt zu hoffen, dass dieses wertvolle kulturelle Vermächtnis auch in Zukunft respektiert, gepflegt und genutzt wird.

Georg Jäger